Ein Kommentar zum Wüstenradar 2024
Die jüngst veröffentlichte Studie Wüstenradar 2024 zeigt eindrücklich: Der Lokaljournalismus in Deutschland steht unter massivem Druck. Zwar gibt es noch keine „Zeitungswüsten“, doch eine „Nachrichtensteppe“ breitet sich aus – mit schwindender Vielfalt und sinkender redaktioneller Unabhängigkeit. Die Studie belegt: Während die Zahl unabhängiger Lokalzeitungen seit 1992 um fast 20 % gesunken ist, sind zugleich keine klaren negativen Effekte auf demokratische Indikatoren nachweisbar – noch nicht.
Diese scheinbare Stabilität darf nicht über eine strukturelle Erosion hinwegtäuschen: Wo nur noch ein Anbieter lokal berichtet, entstehen Abhängigkeiten. Je weniger journalistische Angebote vorhanden sind, desto größer wird der Einfluss einzelner Akteure – wirtschaftlich wie politisch.
Hier setzt Medienkompetenzförderung an. Sie ist kein bloßes Nice-to-have, sondern ein strukturelles Gegengewicht zur Ausdünnung der Angebotsseite. Denn nur eine aufgeklärte Öffentlichkeit kann zwischen PR, Propaganda und überprüften Informationen unterscheiden – und damit journalistische Qualität aktiv nachfragen. Medienkompetenz entfaltet so eine doppelte Wirkung: Sie schützt die Gesellschaft vor Desinformation und stabilisiert den Markt für glaubwürdige Inhalte.
Die Autor:innen des Wüstenradars fordern zu Recht eine stärkere staatliche und zivilgesellschaftliche Förderung von Medienkompetenz. Doch diese darf nicht auf schulische Projekte reduziert werden. Medienkompetenz ist lebenslang notwendig – für Erwachsene im ländlichen Raum ebenso wie für Entscheidungsträger:innen in Politik und Verwaltung.
Fazit: Wer den Lokaljournalismus zukunftsfest machen will, darf Medienkompetenzförderung nicht länger als Randthema behandeln. Sie ist systemrelevant.
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