Manitu fährt bergauf Kanu

Manitu fährt bergauf Kanu: Eine literarische Miniatur zu Popkultur, Erinnerung und Rekordfilm
© herbX film/Constantin Film/Luis Zeno Kuhn
Manchmal lache ich kurz auf und denke: wie sich Namen so durch ein Leben ziehen!

Heute früh lag die Pressemitteilung im Postfach: Über fünf Millionen Kinotickets für „Das Kanu des Manitu“, ein Vierteljahrhundert nach Bullys erstem Western-Spaß, ein Popkultur-Phänomen, das inzwischen den Status von Traditionsware erreicht hat.

“Mit diesem Spitzenwert – im gesamten deutschsprachigen Raum sind es bereits über 6 Mio. Kinotickets – ist DAS KANU DES MANITU der erfolgreichste Film des Jahres und garantiert weiterhin unbeschwerte Unterhaltung in den Kinosälen. Der Film läuft aktuell bundesweit in 403 Kinos”, schreibt mir Constantin Film. Glückwunsch. Erfolg ist dem deutschen Film ja unbedingt auch zu wünschen.

Auch diesem. Egal wie viel Karl May da noch drinsteckt, ob die Parodie nicht längst selbst zum Mythos geworden ist und warum sich gerade Deutsche für den sächsisch erträumten Wilden Westen begeistern. Meine Eindrücke zum Film kann man hier nachlesen – auf menschundkultur.de. Hier und hier.

Wenn ich das Wort Manitu lese, bin ich aber sofort 1995 im Probenraum. Damals gab es in unserer Band plötzlich zwei Manfreds.

Als der zweite Manfred in der Band auftauchte, trug die damalige amerikanische Austauschfreundin des Drummers bleibend bei: Sie nannte ihn Manni Two, woraus sehr schnell Manitu wurde. Der name blieb ihm dann auch. Er soll ihn nie wieder losgeworden sein. Später war er Schuhverkäufer. Also eigentlich besaß er einen bekannten Schuhladen in der Rostocker Innenstadt – der dann allerdings umbenannt werden musste, weil die Filmindustrie eine lächerliche, aber erfolgreiche Ethno-Komödie nach Karl May, unter demselben Namen verkaufte. Nach Anwaltsschlachten und der Umbenennung lief der Boots Store schlecht und Manitu musste ihn verkaufen. In einem Akt der Verzweiflung taufte daraufhin seinen Bully Herbig. 2025 soll er entnervt auch noch sein Faltboot versenkt haben.

So geht das: Die großen Geschichten ziehen vorbei, und die kleinen, die das Leben schreibt, geraten dabei unter die Räder.

Vielleicht ist das das eigentlich Bemerkenswerte an diesem Tag: Während in den Medien die Rekordzahlen und Generationenerfolge gefeiert werden, bleibt irgendwo ein leiser Rest von Wirklichkeit, in dem Popkultur und Alltag aufeinanderprallen.

In meinem Adressbuch gibt es keinen Manitu. Ich habe lange gesucht. Ich zweifele nun, ob das wirklich so passiert ist. Aber warum fiel mir heute spontan genau diese Geschichte ein, als wieder von „Manitu“ die Rede war? Das denke ich mir doch nicht aus!

Andersen Storm
2025-11-24

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Film-Story bei Constantin:
https://constantin.film/kino/das-kanu-des-manitu/

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