58 Prozent Enttäuschung. Sagen wir mal so.

Wie aus einer Umfragefrage eine politische Geschichte über Mecklenburg-Vorpommern wird.

58 Prozent enttäuscht von Merz? Was die Wahlanalyse wirklich zeigt

Die Langfassung ist bislang unveröffentlicht und für eine redaktionelle Veröffentlichung verfügbar.

58 Prozent der Befragten in Mecklenburg-Vorpommern stimmen laut infratest dimap der Aussage zu:

Umfragetextzitat:
„Ich hatte große Hoffnungen in Friedrich Merz gesetzt, bin aber sehr enttäuscht von ihm.“

Das klingt nach einem klaren Befund. Nur enthält der Satz zwei Aussagen: eine über frühere Hoffnungen und eine über heutige Enttäuschung. Wie viele Menschen in Mecklenburg-Vorpommern überhaupt große Hoffnungen in Friedrich Merz gesetzt hatten, wird nicht ausgewiesen.

Trotzdem macht die Tagesschau daraus kurz darauf: 58 Prozent seien „speziell von Merz enttäuscht“.

Ähnlich interessant ist der „Denkzettel“. In Mecklenburg-Vorpommern sagen 59 Prozent, die Bundesregierung habe einen Denkzettel verdient. In Sachsen-Anhalt waren es zwei Wochen zuvor ebenfalls 59 Prozent. Nur erreicht die CDU dort 17,2 Prozent und in Mecklenburg-Vorpommern 4,9 Prozent.

Derselbe „Denkzettel“, sehr verschiedene Wahlen.

Und während die ARD bei mehreren Fragen Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ausdrücklich miteinander vergleicht, fehlt ausgerechnet für die Aussage von den „großen Hoffnungen“ auf Merz ein veröffentlichter Berliner Vergleich.

So entsteht eine politische Geschichte: Hoffnung, Enttäuschung, Denkzettel. Der Osten erscheint selbst in seiner Ablehnung noch als jemand, der eigentlich etwas von Berlin zu erwarten gehabt hätte – und wartete.

Vielleicht liegt darin die interessantere Frage dieser Wahl:

Warum wird einem politischen Nein unbedingt eine Vorgeschichte als enttäuschtes Ja gegeben?

Eine ausführliche Fassung des Kommentars mit dem Vergleich der Wahlanalysen zu Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Berlin sowie der Gegenprobe anhand der Daten der Forschungsgruppe Wahlen liegt vor. Die Langfassung ist bislang unveröffentlicht und für eine redaktionelle Veröffentlichung verfügbar. Bitte über das Formular anfragen.

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